Wie viele Götter und warum überhaupt? Religiöse Toleranz im frühneuzeitlichen Europa

Ringvorlesung im Sommersemester 2025

Themenreihe

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Alle Veranstaltungen der Reihe „Wessen Gott? Multireligiosität im Spannungsfeld von Koexistenz und Konflikt“

In der berühmten Ringparabel, für die Lessing in "Nathan der Weise" auf mittelalterliche Versionen zurückgegriffen hat, erscheinen Juden, Christen und Muslime als Brüder, die äußerlich ununterscheidbare Ringe tragen. Wer den "echten" Ring vom Vater geerbt habe, das könne der Träger nur durch seine Handlungen erweisen. Neben dem Verbindenden wird in dieser Parabel also auch auf Unterscheidbarkeit und Abgrenzung in der Praxis verwiesen - und tatsächlich wurde im Zuge der Ausformung der drei großen Buchreligionen die Betonung der Exklusivität zunehmend wichtiger als der Hinweis auf gemeinsame Wurzeln.

Die Ringvorlesung "Wessen Gott? Multireligiosität im Spannungsfeld von Koexistenz und Konflikt" geht in Beiträgen aus verschiedenen Disziplinen den gemeinsamen Traditionen und dem Zusammenleben, aber auch den Abgrenzungsmechanismen und Auseinandersetzungen religiöser Gruppen im erweiterten Mittelmeerraum von der Antike bis zur Gegenwart nach.

Eröffnet wird die Vorlesungsreihe von der Mittelalterhistorikerin Dorothea Weltecke (HU Berlin), die in ihrer neuen Monographie die Entstehung der "Religionen" als exklusive Glaubensgemeinschaften im Mittelalter verortet und deren zunehmende Abgrenzung nicht in den Offenbarungsschriften, sondern in der sozialen Ungleichheit begründet sieht. Aus der Universität Regensburg beteiligen sich die Geschichtswissenschaften mit Vorträgen zu Koexistenz und Konflikt im polytheistischen Rom, zum Schutz von Christen und Juden während der islamischen Expansion, zur Ketzerei im Mittelalter oder zur religiösen Toleranz im frühneuzeitlichen Europa. Die theologischen Disziplinen thematisieren die Funktion theologischer Polemik in der Geschichte des Christentums, Jerusalem als Stadt mit drei Heiligtumstraditionen oder die Versuche jüdischer Selbstbehauptung in der Literatur. Am Beispiel des Islam im östlichen Europa und des Kampfs um die muslimische Deutungshoheit im Nahen Osten wird die Perspektive bis in die Gegenwart verlängert.

Veranstaltung Der andere Glauben. "Ketzer" in der mittelalterlichen Kirche
Datum Mi 07.05.2025, 14:15 - 15:45 Uhr
Veranstaltung Clash of Theologies? Wesen, Funktion und Grenzen von Polemik
Datum Mi 14.05.2025, 14:15 - 15:45 Uhr
Veranstaltung Eine Frage der Orthopraxie? Koexistenz und Konflikt im polytheistischen Rom
Datum Mi 28.05.2025, 14:15 - 15:45 Uhr
Veranstaltung Schutz von Christen und Juden während der islamischen Expansion (7./8. Jh.)
Datum Mi 02.07.2025, 14:15 - 15:45 Uhr
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